Digitale Souveränität

Digitale Souveränität und Hochschulen

Einordnung, Positionierung und aktuelle Übersichten zu Blogbeiträgen, Terminen und HFD-Publikationen

Digitale Souveränität

Digitale Souveränität ist kein neues Thema. Angesichts geopolitischer Verschiebungen und wachsender Cyberrisiken gewinnt sie jedoch spürbar an strategischer Bedeutung. Anforderungen an IT-Sicherheit, Datenschutz und Governance erscheinen in einem veränderten Kontext; zugleich treten neue Abhängigkeitsstrukturen sowie politische und ethische Fragestellungen hinzu.

Die zunehmende Auslagerung von IT-Infrastrukturen und -Services über Organisations-, Landes- und Rechtsräume hinweg erzeugt komplexe, teils intransparente „Lieferketten“ und Abhängigkeitsverhältnisse. Auch Hochschulen stehen damit vor der Aufgabe, Resilienz, Kooperationsmodelle und strategische Spielräume systematisch neu zu bewerten. Pionierprojekte in öffentlichen Verwaltungen sowie hochschulübergreifende Ansätze für souveräne KI- und Cloud-Infrastrukturen zeigen mögliche Wege.

Das Hochschulforum Digitalisierung nimmt diese Dynamik verstärkt auf: Es bündelt Expertise, fördert die Debatte aktueller Entwicklungen und bringt neue Perspektiven in hochschulstrategische Diskussionen ein. Ziel ist es, strategische Entscheider:innen dabei zu unterstützen, wissenschaftliche Freiheit, institutionelle Resilienz und Innovationsfähigkeit unter digitalen Bedingungen nachhaltig zu sichern.

Highlights:

Digitale Souveränität im Fokus

Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeit von Individuen, Organisationen und Gesellschaften, selbstbestimmt im digitalen Raum zu handeln. Daraus leitet sich das Ziel ab, Wahlfreiheit, Kontrolle und Handlungsfähigkeit zu gewährleisten – in einer zunehmend von Plattformen, Cloud-Produkten und KI geprägten Welt.

Digitale Souveränität umfasst daher zugleich technische, rechtliche, organisatorische, politische und gesellschaftliche Dimensionen. Zentral ist nicht nur, wer entscheidet, sondern vor allem, unter welchen Bedingungen Entscheidungen getroffen werden: Welche Infrastrukturen, Standards und Rechtsräume prägen das Handeln? Wie transparent arbeiten eingesetzte Systeme? Und wo sowie wie wird Verantwortung übernommen?

Souveränes Handeln setzt voraus, dass Kriterien für Entscheidungen gemeinsam ausgehandelt werden – etwa zu Sicherheit, Gemeinwohl, Datenschutz, Offenheit, Interoperabilität und Nachvollziehbarkeit. Da es sich um einen ressourcenintensiven Kontext handelt, gewinnen gemeinsame Vereinbarungen und Kollaboration an Bedeutung. Ebenso zentral ist die Frage der Rahmenbedingungen: Gibt es realistische Alternativen zu bestehenden Lösungen, oder entstehen strukturelle Abhängigkeiten? Digitale Souveränität ist damit kein Zustand, sondern ein fortlaufender Gestaltungsprozess, der Abhängigkeiten sichtbar macht und überprüft, um strategisches Handeln zu ermöglichen.

Illustration eines Gebäudes mit Säulen vier Säulen, davor befindet sich ein Graduiertenhut

Herausforderungen für Hochschulen

Fragen Digitaler Souveränität betreffen nicht nur Hochschulen – sie stellen sich ebenso für Verwaltungen, Ministerien, Kommunen und Unternehmen. Für Hochschulen nehmen sie jedoch eine spezifische Form an: Forschung, Lehre und Lernen, Verwaltung sowie zentrale Wissens- und IT-Infrastrukturen (Bibliotheken, Rechenzentren, Labore, Archive) nutzen als Funktionsbereiche teils unterschiedliche digitale Werkzeuge und sind zugleich auf gemeinsame technische Grundlagen angewiesen.

Digitale Souveränität wird damit zur Aufgabe, unterschiedliche Anforderungen zu integrieren und mögliche Zielkonflikte aufzulösen. Hinzu kommt die strukturelle Einbettung im föderalen System. Die Länder tragen die Hauptverantwortung für Hochschulpolitik und Grundfinanzierung, während der Bund vor allem über Forschungs- und Projektmittel sowie übergreifende Digital- und Sicherheitsregulierung wirkt. Hochschulen verfügen aufgrund der Wissenschaftsfreiheit über Autonomie in der Wahl ihrer digitalen Werkzeuge und Arbeitsweisen – allerdings innerhalb landesrechtlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen. Diese Mischung aus Autonomie und geteilten Zuständigkeiten eröffnet Handlungsspielräume, führt aber zugleich zu heterogenen Lösungen und Koordinationsproblemen.

Mehr Autonomie bedeutet daher nicht automatisch mehr Digitale Souveränität. In den vergangenen Jahren ist zudem die Sensibilität für Risiken und Vulnerabilitäten durch digitale Abhängigkeiten entstanden. Studien und Positionspapiere zeigen, dass Fragen von Resilienz und Ausfallsicherheit auch im Hochschulsystem stärker in den Blick rücken. Für Hochschulleitungen bedeutet dies: Strategische Entscheidungen lassen sich kaum noch unabhängig von digitalen Infrastrukturen denken und digitale Systeme werden zu einem Kerngegenstand hochschulstrategischer Weiterentwicklung.

Digitale Souveränität im Hochschulforum Digitalisierung

Das Hochschulforum Digitalisierung versteht Digitale Souveränität als strategische Gestaltungsaufgabe für Hochschulen. Ins Zentrum stellen wir die Frage, wie Hochschulen handlungsfähig, lernfähig und resilient bleiben können, wenn digitale Infrastrukturen, Daten und KI immer stärker ihre Kernaufgaben prägen. Das HFD nimmt dabei eine vermittelnde, wissensbasierte und kooperative Rolle ein: Es bringt strategisch Gestaltende aus Hochschulen, Ländern, Bund, Wissenschaft und Praxis zusammen, bündelt Evidenz, strukturiert Debatten und übersetzt sie in Impulse für Politik, Hochschulleitungen und IT-Governance.

Strategische Haltung

Digitale Souveränität lässt sich nicht isoliert herstellen. Sie entsteht im Zusammenspiel von Hochschulen, Ländern, Bund und den öffentlichen IT-Institutionen. Das HFD versteht sich als Plattform, die diese Ebenen zusammenbringt, gemeinsame Referenzpunkte schafft und übergreifende Zusammenarbeit ermöglicht.
Offene und nachhaltige Infrastrukturen als Grundlage Souveränität beruht auf offenen Standards, Interoperabilität und der Nachvollziehbarkeit von Abhängigkeiten. Kurzfristige Projektlogiken und proprietäre Lock-in-Effekte belasten daher langfristige Handlungsfähigkeit. Das HFD bringt diese Perspektive gezielt in hochschulpolitische und infrastrukturelle Debatten ein.
Resilienz als strategisches Leitprinzip Digitale Infrastrukturen sind heute kritische Voraussetzungen für Forschung, Lehre und Verwaltung. Digitale Souveränität bedeutet daher, Stabilität, Sicherheit und Ausfallsicherheit mitzudenken – auch wenn dies kurzfristig weniger effizient erscheint. Expert:innen übersetzen diese Risiken im HFD in hochschulstrategische Fragestellungen.
Geistige Souveränität mitdenken Souveränität betrifft nicht nur Technik, sondern auch Urteilsfähigkeit, Werte und Kompetenzen im Umgang mit KI, Daten und Plattformen. Das HFD macht kritischen Reflexion sichtbar, fördert digitale Kompetenzen wie AI Literacy und teilt Good-Practice-Beispiele für Lehre und Forschung.
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Das Hochschulforum Digitalisierung arbeitet daran, Digitale Souveränität im Hochschulsystem als kooperative und gemeinwohlorientierte Gestaltungsaufgabe zur Stärkung der Resilienz zu verankern.

Kommen Sie ins Gespräch

Haben Sie Fragen zur Digitalen Souveränität an Hochschulen oder möchten Sie mit uns kooperieren? Wir freuen uns über Ihre Ideen, Hinweise und Anfragen.

Besonders willkommen sind Good-Practice-Beispiele, wissenschaftliche Einordnungen sowie positionsstarke Debattenbeiträge.

Publikationen

Arbeitspapier Nr. 94: Wachsamkeit & Verifizierung – Digitale Resilienz in der Hochschule als Faktor für gelebte Demokratie

Das Arbeitspapier beleuchtet, wie Fehl-, Des- und Malinformation die Arbeit von Hochschulen beeinflussen und welche Rolle digitale Resilienz für Wissenschaft, Studium und demokratische Teilhabe spielt. Im Fokus stehen praxisnahe Strategien zum Umgang mit Fake News, Deepfakes, halluzinierten Quellen, Predatory Journals, Retracted Papers und Social Engineering.

Diskussionspapier Nr. 40: Stabilität durch Wandel? Ein Problemaufriss zur digitalen Resilienz an Hochschulen

In den letzten Jahren sind Hochschulen in einen Modus geraten, den man als „reaktives Management“ bezeichnen könnte: Pandemie-Management auf die Schnelle, ad-hoc-Lösungen für Cyber-Sicherheitslücken, irgendwie Schritt halten mit generativen KI-Tools. Dieses Papier argumentiert: Wer in einer unübersichtlichen Welt die Bildungslandschaft von morgen aktiv mitgestalten will, braucht digitale Resilienz. Denn digital resiliente Hochschulen erkennen Herausforderungen frühzeitig, bleiben bei Störungen in digitalen Infrastrukturen handlungsfähig und sie integrieren neue Technologien wie KI souveräne in Lehre, Forschung und Verwaltung.

Diskussionspapier Nr. 39: On how to bring up baby robots

Wie können Hochschulen Verantwortung übernehmen, um Bias-Sensibilität im Umgang mit KI strukturell, nachhaltig und wirksam zu verankern? Dieser Text geht der Frage auf den Grund und gibt einige Empfehlungen, auch mit Blick auf zukünftige Kompetenzen von Studierenden und Lehrenden.

Agora [Zukunft] – Insights 2025

Das Hochschulforum Digitalisierung ist selbst eine Art Agora: ein Ort, an dem Stimmen und Perspektiven aus der gesamten Bildungsrepublik aufeinandertreffen. Die Insights 2025 zeigen, welche Herausforderungen die Community sichtbar gemacht und welche Lösungswege sie für ein zukunftsfähiges Hochschulsystem entwickelt hat.

Arbeitspapier Nr. 88: Kreide trifft Cloud: Digitales Lehren und Lernen in der Hochschulmathematik

Unter dem Titel „Kreide trifft Cloud“ beleuchtet die Arbeitsgruppe DiF-Mathematik zentrale Herausforderungen des Fachs und zeigt auf, wie digitale Ansätze dazu beitragen können, Lehre und Lernen wirksamer, inklusiver und motivierender zu gestalten. Die Publikation analysiert die besonderen Schwierigkeiten beim Übergang von der Schul- zur Hochschulmathematik, diskutiert Ursachen für hohe Abbruchquoten in MINT-Studiengängen und stellt digitale Werkzeuge, Methoden und Best-Practice-Beispiele vor.

Diskussionspapier Nr. 37: Die Haltung, Zukunft zu gestalten: Ein Plädoyer für das Future Mindset

Wie Future Skills vermittelt, erworben und geprüft werden können, wird breit diskutiert. Doch die innere Dimension, das Future Mindset, bleibt oft unbeachtet. In ihrem Diskussionspapier stellen Johanna Leifeld, Anne Prill und Emily Fröse ihr Konzept des „Future Mindset” vor und gehen der Frage nach, welche Haltung es braucht, um in einer ungewissen Zukunft bestehen zu können.